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Wir sind Kinder der Überlebenden

Umstrittene Memorialtafel: Herero besuchten Gemeinde Königssteele

Essen, 08.05.2026. „Wir sind die Kinder der Überlebenden. Bitte empfangt uns mit Bedacht, sind wir doch nur Mitmenschen!“ Mit einem Gedicht begann der Herero Prince Marenga den Diskussionsabend im Gemeindehaus Königssteele. Die Veranstaltung zur kritischen Einordnung einer Gedenktafel in der Friedenskirche Essen-Steele fand letzte Woche statt.

Die Tafel erinnert u.a. an einen deutschen Soldaten, der während des Völkermords an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika – dem heutigen Namibia – ums Leben kam. Vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialgeschichte und ihrer bis heute spürbaren Folgen bemüht sich die Gemeinde um einen reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit der Tafel.

ERINNERUNG AN GEWALT & FLUCHT

Zu der Veranstaltung waren zwei Vertreter*innen der Herero-Community sowie ein Mitarbeiter der Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) eingeladen. Die Herero-Aktivistin Ndapewa Kahanguvi Katjijova, Nachfahrin von Überlebenden des Völkermords, schilderte eindrücklich die Erinnerungen ihrer Großeltern, die 1904 vor der Gewalt deutscher Kolonialtruppen nach Botswana fliehen mussten. Ihre persönliche Geschichte machten die historischen Ereignisse greifbar und zeigten, wie tief die Traumata bis in die Gegenwart hineinwirken.

Prince Kamaazengi Marenga ist Ovaherero Chief Coordinator for Reparatory Justice und ergänzte diese Perspektive mit seinen Gedichten, in denen er die Nachwirkungen des Genozids künstlerisch verarbeitet. Seine Worte verliehen der Veranstaltung eine emotionale Tiefe und unterstrichen die Bedeutung eines sensiblen Umgangs mit der Geschichte.

ANERKENNUNG UND WIEDERGUTMACHUNGEN

Felix Henn ist Namibia-Referent bei KASA, er ordnete die Diskussion politisch ein und berichtete über die Verhandlungen zwischen den Regierungen Deutschlands und Namibias zu Fragen von Anerkennung und Wiedergutmachung. Dabei wurde deutlich, wie komplex und zugleich dringend die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit ist.

Über 20 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil und beteiligten sich engagiert an der anschließenden Diskussion - die Frage nach dem zukünftigen Umgang mit der Gedenktafel bewegt viele.

WORKSHOP SOLL ZU KONKRETEN VORSCHLÄGEN FÜHREN

Die Auseinandersetzung soll fortgesetzt werden: Am 18. Mai ist ein Workshop geplant, in dem gemeinsam konkrete Vorschläge erarbeitet werden, wie die Gedenktafel in der Kirche künftig kontextualisiert oder verändert werden kann. Ziel ist es, einen Weg zu finden, der sowohl historischer Verantwortung gerecht wird als auch die gegenwärtige Haltung ausdrückt.

Der Workshop findet statt am Montag, 18. Mai, um 18 Uhr in den Jugendräumen im Gemeindehaus Königssteele, Kaiser-Wilhelm-Straße 39, 45276 Essen. Weitere Infos dazu gibt es bei
- Dr. Petra Bernicke: petrabernicke@web.de
- Claudio Gnypek: gnypek-c@vemission.org
- Internet: https://koenigssteele.de/2026/05/05/erinnerung-und-verantwortung/

TITELBILD: Das Foto vor der Friedenskirche zeigt v.li.n.re. Prince Kamaazengi Marenga, Dr. Petra Bernicke, Ndapewa Kahanguvi Katjijova, Claudio Gnypek und Felix Henn.

 

 

 

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