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Kleinod wird zum Leben erweckt

Ehrenamtliche organisieren die Renovierung einer Friedhofskapelle

Essen, 26.07.2026. Wer eine Bestattung unter Bäumen oder in einem gepflegten und betreuten Waldstück wünscht, findet seit April letzten Jahres in Kupferdreh einen guten Ort dafür: auf dem Gelände des evangelischen Friedhofs an der Niederweniger Straße 22 entsteht durch die Pflanzung von 76 Laubbäumen der „Ruhehain Kupferdreh“.

Doch was wäre ein schöner Begräbnisort ohne ansprechende Friedhofskapelle? Die Kapelle auf dem Friedhof der Gemeinde ist eine Landmarke, ein Kleinod und ein auch künstlerisch interessanter Ort. Auf einer Anhöhe gelegen, erlaubt sie vom Vorplatz aus einen weiten Blick in die Landschaft; sogar ein kleines Stück des Baldeneysees ist von hier aus sichtbar. Ihre Kirchenfenster, es sind die ehemaligen der neugestalteten Christuskirche, verleihen ihr eine einzigartige Atmosphäre.

„Unsere Kapelle ist ein wunderschön gelegenes, denkmalgeschütztes Gebäude, mit dem viele Gemeindeglieder Erinnerungen an bewegende Abschiede verbinden“, erklärt Reinhard Laser, Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Kupferdreh. Obwohl es der architektonischen und emotionalen Bedeutung würdig gewesen wäre, fehlten jedoch lange Zeit der Mut und der Antrieb, sich um den Erhalt der Kapelle zu kümmern. Nötige Reparaturen und Sanierungen unterblieben aus Kostengründen.

„Es wurden zwar mehrfach Architektengutachten in Auftrag gegeben, die dann astronomische Summen für eine Renovierung ergaben – aber umgesetzt wurde nichts“, erklärt Reinhard Laser. „Es war, als hätten die ermittelten Zahlen die Verantwortlichen in Schockstarre versetzt. Desinteresse, Überlastung durch andere Aufgaben, Unklarheit bei den Zuständigkeiten, Lähmung durch die prekäre finanzielle Situation des Friedhofs – all diese Gründe mögen ihren Teil zu diesem jahrelangen Stillstand beigetragen haben.“

Dass es auch ganz anders gehen kann, zeigen ganz aktuell Bernd Schmidt-Knop und Hermann Steins. „Nüchtern und pragmatisch, mit gesundem Menschenverstand und kostenbewusst nehmen sie die erforderlichen Maßnahmen in Angriff“, lobt Pfarrer Laser. „Nicht die unfinanzierbare und damit unrealistische Maximallösung streben sie an, sondern eine sehr langfristig angelegte Sanierung in ganz kleinen Schritten, die aber immer auch finanziell und personell zu bewältigen sind.“

Mit unermüdlichem „Networking“, mit Fantasie und vielen unkonventionellen Ideen hätten die beiden einfach losgelegt und dabei gleich schon zwei verlässliche Mitstreiter gewonnen: Vera Salm, die jetzt beinahe täglich nach der Kapelle sieht, für die Belüftung sorgt, entrümpelt, aufräumt, und Wolfgang Fröhlich, einen pensionierten Elektriker, der auch noch viele andere handwerkliche Fähigkeiten mitbringt. Komplettiert wird diese Initiative durch Silke Kieckbusch – die Friedhofsgärtnerin ist erste Ansprechpartnerin bei Bestattungen und überhaupt auch vielen anderen praktischen Fragen, die den Friedhof betreffen.

„Verfallen lassen und Herausnahme aus dem Denkmalschutz – dieser Vorschlag zum Umgang mit der Kapelle ist dank des ehrenamtlichen Engagements dieses Teams erst einmal vom Tisch“, freut sich Reinhard Laser. Im Gegenteil: Mittlerweile wurde der Innenraum gestrichen, für die dringend nötige Renovierung des Daches, der Außenfassade und des alleinstehenden Glockenturms haben Bernd Schmidt-Knop und Hermann Steins Mittel die untere Denkmalbehörde und die Bezirksregierung, Abteilung Denkmalförderung, ins Boot geholt und eine Förderung in Höhe von 131.000 Euro beantragt – mit guter Aussicht auf Erfolg, wie Falko Wieneke, Vorsitzender des Presbyteriums, bestätigt.

Wem also diese kleine Kostbarkeit in exponierter Lage am Herzen liegt, habe jetzt die Gelegenheit, sich zu engagieren. Benötigt würden Geldspenden und Sachspenden, aber genauso auch handwerkliche Leistungen. „Jetzt besteht die Chance, ein Projekt zu unterstützen, bei dem man am Ende ein schönes Ergebnis sieht – und das nicht nur die evangelischen Gemeindeglieder, sondern den ganzen Stadtteil und hoffentlich auch noch spätere Generationen erfreuen wird.“

KONTAKT

Ansprechpartner für alle Anfragen ist der Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Kupferdreh:
Falko Wieneke-Burdack
Telefon 0201 488584, mobil 0160 6312137
Mail falko.wieneke-burdack(at)ekir.de.

STICHWORT: RUHEHAIN KUPFERDREH

In Essen, aber auch innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland gilt das Vorhaben als „Megaprojekt“: Auf dem Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Kupferdreh an der Niederweniger Straße 22 entsteht zurzeit ein neuer großer Bestattungswald, der „Ruhehain Kupferdreh“. Im April 2025 konnte der erste Teil der Umwandlung in einen Waldfriedhof, die Anpflanzung von 76 Bäumen auf einer großen ovalen Fläche unterhalb der Trauerhalle, erfolgreich abgeschlossen werden. Schon nach den zwei kommenden Vegetationsperioden sollen die Bäume und eine waldnahe Randbepflanzung den Charakter des sogenannten alten Friedhofsteils völlig neu prägen.

Mit ihrem ambitionierten Projekt will die Gemeinde Kupferdreh einerseits dem Wandel der Bestattungskultur Rechnung tragen. Während die Zahl sogenannter „Billigbestattungen“ noch vor mehreren Jahren stieg, wünschen sich andererseits immer mehr Angehörige einen besonderen Erinnerungsort, der der Würde des oder der Verstorbenen über den Tod hinaus Rechnung trägt und nicht aufwändig gepflegt werden muss.

Tatkräftige Unterstützung kommt aktuell vom Verein für Waldinseln e.V., der noch in diesem Jahr rund um das Areal einen schützenden Waldmantel aus Sträuchern anlegen will. Schritt für Schritt entsteht auf diese Weise eine innenstadtnahe Wald- und Begräbnisfläche, die als „grüne Insel“ einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leistet. Damit der Baumbestand nicht unter der anhaltenden Sommerhitze leidet, haben Friedhofsgärtnerei und Kirchengemeinde sich durch die städtische Tochtergesellschaft „Grün und Gruga“ beraten lassen und einen modernen Feuchtigkeitssensor installiert, der nötige Bewässerungen anzeigt.

„Der Ruhehain in Kupferdreh zeigt, dass durch die gemeinsame planmäßige Entwicklung eines Friedhofkonzeptes mit Kirchengemeinde und Verwaltung, Bestattern, Fachinstitutionen, Bürgern und Vereinen auch an geografisch schwierigen Standorten ein vielen Interessen dienendes gutes Ergebnis erreicht werden kann“, erläutert Cornelia Böhm, die die Evangelische Kirche im Rheinland als zuständige Dezernentin für Friedhofsangelegenheiten in der Projektgruppe „Friedhofsentwicklung“ der Kirchengemeinde vertritt.

DIE FENSTER IN DER FRIEDHOFSKAPELLE

Von Reinhard Laser

Wenn die Sonne tief steht und durch die Fenster der Apsis in die Friedhofskapelle scheint, leuchten die abgebildeten Personen im warmen Licht und die Kapelle wird in eine eigenartige Stimmung getaucht.

Auf den Fenstern in der Friedhofskapelle sind Darstellungen der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu sehen. Sie werden in der Bibel als die Verfasser der vier Evangelien genannt. Es sind Phantasieportraits, die natürlich keinen Anhalt an der Wirklichkeit haben, heldische Gestalten mit kühn in die Ferne gerichtetem Blick und bei Lukas mit geradezu definiertem Bizeps. Jeder mit einem Buch – „seinem“ Evangelium – in der Hand. Umrahmt mit reichen Ornamenten, die auf uns heute vielleicht etwas überladen wirken. Wie Statuen oder Denkmäler auf einer Art Sockel stehen sie da. Man kann nur mutmaßen, was der Künstler damit sagen wollte. Heute ist dieses Motiv aus der Kunst verschwunden.

Jedem Evangelisten sind Symbole zugeordnet, die auf dem Sockel unter den Füßen zu sehen sind: Mathäus ist ein geflügelter Mensch zugeordnet, Markus ein geflügelter Löwe, Lukas ein geflügelter Stier und Johannes ein Adler. Die Symbole beziehen sich auf eine Vision in der Offenbarung des Johannes (Kapitel 4,7), in dem diese Gestalten vorkommen: „Und das erste Wesen war gleich einem Löwen, und das zweite Wesen war gleich einem Steir, und das dritte Wesen hatte ein Antlitz wie ein Mensch, und das vierte Wesen war gleich einem fliegenden Adler.“

Solche „heldischen“ Darstellungen der Evangelisten waren damals, in der Gründerzeit, offensichtlich weit verbreitet. Die Ähnlichkeiten beispielsweise zu den „Evangelisten“-Fenstern im Kölner Dom sind verblüffend. Wie schnell sich allerdings dann der Geschmack gewandelt hat, zeigt ein Blick auf die wenige Jahrzehnte später entstandenen Seitenfenster des alten Kapellenteils. Das ist reiner Jugendstil. Schlichte, florale Ornamente, die auch nach über 100 Jahren noch ansprechend wirken.

Zwei weitere Glasfenster aus der Christuskirche wurden nicht in die Kapelle eingebaut, sondern in einer Nebenkammer eingelagert. Dort stehen sie noch. Wohlerhalten warten sie nur darauf, wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Auf einem von den beiden Fenstern ist die Segnung der Kinder durch Jesus dargestellt.

Foto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann

 

 

 

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